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28.04.2019

Interview mit Imre Peter

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Von der Mutter ungewollt hat Imre Peter auch noch früh seinen Vater verloren. Im Gespräch mit Gabi Pratz erzählt er, was ihm in seinem Leben Kraft und Mut gegeben hat, nicht zu verzweifeln.

Du warst knapp sechs Jahre alt, als dein Vater verstorben ist, ein Schock …

Ja, meinen Papa zu verlieren, ist das Schlimmste, was mir passiert ist. Er ist alles für mich gewesen! Ich habe leider nicht sehr viele Erinnerungen an ihn, aber ich weiß, dass er ein sehr liebenswerter Mann gewesen ist, und dass wir immer in den Gottesdienst gegangen sind. Als mein Papa gestorben ist, habe ich niemanden mehr um mich herum gekannt, der mir Liebe geschenkt hat.

Was war mit deiner Mutter?

Die Frau, die mich geboren hat, hat schon vor meiner Geburt gegen mich gekämpft – sie wollte mich abtreiben. Sie hat mich gehasst. Nach dem Tod meines Papas habe ich ihren Hass deutlich zu spüren bekommen … für sie bin ich kein Mensch gewesen, nur eine »Nachgeburt« – wertlos!

Zu der Zeit ist deine Sehkraft schon sehr eingeschränkt gewesen, wie hat sich das bemerkbar gemacht?

Ich bin oft irgendwo dagegen gelaufen. In der Schule hat eine Lehrerin aufgrund meiner Reaktionen bemerkt, dass ich sehr schlecht sehe. Ich bin dann auf eine Blindenschule gegangen und habe dort viel gelernt: Blindenschrift, Mobilität im Alltag, Echolotorientierung etc. Damals ist es mir schon klar gewesen, dass meine Augen immer schlechter werden.

Du bist in der DDR aufgewachsen und hast beschlossen zu fliehen. Ganz alleine?

Aus politischen Gründen habe ich 1988 die DDR plötzlich verlassen müssen. Den Plan über die innerdeutsche Grenze zu fliehen, habe ich aufgrund einer inneren Stimme, die sagte: »Lass es sein!«, aufgegeben. Ich bin nach Prag gefahren und habe dort zwei Tage gebetet. Dort fällt mir auf einmal ein Grenzübergang ein und in der nächsten Nacht versuche ich, von dort in die BRD zu kommen. Am Grenzübergang ist es stockdunkel, doch plötzlich wird es taghell und fünf Schäferhunde greifen mich an ...

Das Wunder, wie Imre über die Grenze gekommen ist, erfahren Sie in der Sendung »Hope – Meine Geschichte: Imre Peter«

In den Jahren nach der Flucht ist dein Leben gut verlaufen, du hast geheiratet, hast gearbeitet, doch dann kam eine Krise. Was ist passiert?

Ich habe Gott in meinem Leben nicht mehr gespürt, habe niemanden gekannt, mit dem ich über Gott reden oder beten hätte können. Bis mir eine Telefonnummer eingefallen ist, die ich vor langer Zeit bekommen habe. Ich habe die Nummer gewählt und am Telefon war der Leiter der Hope Blinden-Hörbücherei Helmut Kraus. Mir hat es damals so gutgetan, mit jemandem zu reden, der auch an Gott glaubt. Von da an haben wir öfters telefoniert und sehr tiefe Gespräche geführt. Ich habe ihm alle meine Fragen gestellt.

Wie hat sich dein Leben verändert, als du ganz erblindet bist?

Nachdem ich erblindet war, habe ich mich zum Physiotherapeuten umschulen lassen. Aber auch diesen Beruf habe ich aufgrund neuer gesundheitlicher Beschwerden nicht lange ausüben können. Trotz allen Wollens kann ich nicht mehr berufstätig sein. Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. In dieser Situation hat mir Helmut Kraus sehr geholfen: Er hat mich herausgefordert, meine Gaben, die Jesus mir geschenkt hat, zu entdecken. Dadurch ist mir klar geworden, ich will für Menschen da sein. Heute bin ich im Hospiz in der Trauer- und Sterbebegleitung tätig, vor allem für Kinder.

Wie geht es dir heute?

Ich bin ein sehr glücklicher Mann und möchte mein Leben mit niemandem tauschen. Trotz Krankheiten, Erblindung und der wiederkehrenden Frage, wie lange ich noch leben werde. Das verdanke ich allein Jesus, mit dem ich jeden Tag bewusst lebe. Und ich weiß: Vor Gott bin ich viel wert, denn er liebt mich.

Vielen Dank für das Gespräch.

Bildnachweis: Hope Channel