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06.12.2018

Schabbat Schalom

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Pause. Kraft schöpfen. Nachdenken. Ruhe. An sich und andere denken. Der Sabbatanfang. Den Schöpfer ehren.

Die fernöstliche Erzählung mit dem romantischen Titel »Tausendundeine Nacht« beginnt etwas unromantisch – zumindest für die Hauptfigur. Scheherazade ist eines der unzähligen Mädchen, an denen König Schahriyar seinen Zorn stillen will. Enttäuscht über seine untreue Gattin nimmt er Rache am weiblichen Geschlecht, indem er sich jede dritte Nacht eine Jungfrau zuführen lässt, die jeweils am nächsten Morgen hingerichtet wird. 

Da verbringt Scheherazade also die letzte Nacht ihres Lebens im königlichen Schlafgemach. Was bleibt ihr? Was kann sie bieten, um die Gunst des Herrschers zu gewinnen
Welche Reize, die nicht schon andere vor ihr vergeblich eingesetzt haben? Die junge Frau beginnt dem Tyrannen eine Geschichte zu erzählen und ist im Morgengrauen an einer so spannenden Stelle angelangt, dass er unbedingt die F ortsetzung hören will. Die Hinrichtung wird aufgeschoben, damit die Heldin in der folgenden Nacht weitererzählen kann. Natürlich ist ihre Geschichte auch am nächsten Morgen und auch nach 999 weiteren Nächten nicht zu Ende …

Warum haben Geschichten so große Macht? Vielleicht weil sie uns in Welten und Schicksale eintauchen lassen, die wir nie erleben können oder auch nie erleben wollen. Im Reich der Fantasie – ohne einen Finger zu rühren – durchstehen wir Abenteuer und fühlen Gigantisches. Manche Erzählungen lenken einfach nur von der eigenen Eintönigkeit ab. Andere aber fordern uns heraus und lassen uns im Herzen über uns hinauswachsen. Letztere liebe ich.

Ich bin nicht Scheherazade. Ich erzähle nicht, um mein Leben zu retten. Kein Henkersbeil schwebt über meinem Kopf, wenn ich für diese Sendung im weichen Sessel im warmen Sonnenuntergangslicht sitze. Allerdings geht es dennoch irgendwie um mein Leben. Um eine Erfahrung, ein Erlebnis, eine Sache, die mich in eine fremde Welt  hineingezogen und nicht wieder losgelassen hat, bevor sie mich verändert hat. Von klein auf hat Gott mich über Geschichten erreicht. Geschichten, in denen Er Menschen  begegnet, Geschichten, die Er selbst erzählt, Geschichten, die ich mit Ihm erlebt habe. Ich fühle mit Christina, wie sie gegen die Verzweiflung kämpft, mit Alex, wie er seinem Sohn vergibt – und all das formt und fördert mich auf erstaunliche Weise. Deshalb drängt es mich so sehr zum Weitererzählen. 

In diesem Fall ist es keine fernöstliche, sondern eine nahöstliche Tradition, die den Rahmen für meine Geschichten vorgibt. »Schabbat Schalom« ist der uralte hebräische Gruß, der ankündigt, dass es am Ende einer Arbeitswoche Abend wird und die F amilie (oder auch Hope-Channel-Familie) zusammenkommt und gemeinsam feiert. Zeit ist genau der Raum, den eine gute Erzählung braucht. Und Ruhe ist die Kraft , in der wir verändert werden. Die perfekte Mischung. 

1001 Geschichten sind es noch nicht geworden. Aber wer weiß: Jedes Wochenende kommt eine dazu …

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Bildnachweis: Hope Channel